Eine Vielzahl von Sportanlagen wurde in den 1970er und 1980er Jahren angelegt. Diese Sportanlagen haben oft ihr Lebensalter erreicht und bedürfen der Sanierung. Neben der klassischen Kunststoffsanierung wird oft auch eine grundsätzliche Modernisierung in Erwägung gezogen. Die Planung von Schulsportanlagen bedeutet heute aber mehr, als Bauen nach Standard von 1967. Denn zu den klassischen Aufgaben des Schulsports, wurden in den letzten Jahren neue Ziele hinzugefügt:

Stärkung der Motorik

Schulsportanlage 2018
moderne Schulsportanlage

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Nutzung digitaler Medien auch im Kindesalter wird allgemein ein Rückgang der motorischen Leistungsfähigkeit beobachtet: Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit sind bei heutigen Schulkindern – im Durchschnitt -nicht mehr auf dem Leistungsniveau der Elterngeneration. Neben der Urbanisierung der Lebensräume wird hier auch die Digitalisierung der Medien und damit geringere Bewegungstätigkeiten als Ursache vermutet.

Auch wenn kaum jemand diese Entwicklung anzweifelt: der wissenschaftliche Nachweis ist nicht eindeutig, zwar seien Kraft und Ausdauer rückläufig, Reaktion und Teile der Koordination zeigten jedoch positive Tendenzen (mündllich, Dr. D. Klein, Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Sportdidaktik und Schulsport 10/2020). Schulsport ist mit nahezu 100% Reichweite bei Kindern und Jugendlichen ein wichtiger Baustein für die zukünftige Lebenserfahrung. Schul- und schülergerechte Sportanlagen sollten hier per Einzelfallberatung in die Zukunft geführt werden, da Konzepte für eine „Zukunftssportanlage“ noch sehr unterschiedlich ausfallen und wenig „gemeinsamer Nenner“ zu benennen ist.

Inklusion

Von einigen Eltern als Sparmaßnahme verspottet, zeigt sich langsam aber mit hoher Sicherheit, dass inkludierter Unterricht in vielen Fällen von allen Beteiligten positiv bewertet wird. Wie auch in anderen Fächern, stellen sich im Sportunterricht und auf Außensportanlagen Anforderungen, die bisher wenig Berücksichtigung fanden. Dabei sind die Anforderungen, Sportanlagen behindertengerecht zu gestalten vielfältig und gelegentlich widersprüchlich. Die Minimalausstattung bedeutet aktuell:

  • kontraststarke Materialwahl zur Erleichterung der Orientierung bei Schwachsichtigkeit,
  • wechselnde Oberflächenstrukturen und Leitmaterialien zur Erleichterung der Orientierung erblindeter Menschen,
  • stufenfreie Zugänglichkeit der relevanten Anlagenbestandteile und Rüstmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer,
  • örtlich – individuelle Schwerpunktsetzung.

Hervorzuheben ist die örtliche Beratung, Kommunikation mit Nutzern und Beteiligten und das Erarbeiten individueller Lösungen.

Integration

Aus verschiedensten Gründen sind viele Menschen aus anderen Ländern zu uns gekommen. Sport bedeutet für diese Menschen die Möglichkeit niedrigschwelliger Integration. 24% der Sportvereine haben bereits Maßnahmen ergriffen, dieses Sportlerpotential „abzuholen“. Auch Schulsportanlagen sollten diesen Aspekt berücksichtigen. Hier sind individuelle Beratungen und bedarfsgerechte Lösungen anzustreben.

Gesellschaftliche Erwartungshaltungen

Die Erwartungshaltung von Eltern und Schülern hat sich in den letzten Jahrzehnten drastisch verändert. So berichten Lehrer vermehrt davon, dass Sie Erziehungsaufgaben zu übernehmen haben, die klassisch von Eltern geleistet wurden, nun aber von der Schule zu übernehmen sind. Gleichzeitig öffnet sich die Schere zwischen Kindern mit bildungsfernen Hintergründen sowie Kindern mit dominanten Helikoptereltern immer weiter.
Auf Schülerseite wachsen ebenfalls neue Erwartungen an den Sportunterricht, neben den klassischen Sportarten wächst die Nachfrage nach schulischer Betätigung in Trendsportarten. Der Trend zum schülerzentrierten Unterricht macht im Aussensport keine Ausnahme.

Für Schulsportanlagen bedeutet dieser Wandel:

Eröffnung Schulösportanlage
Schulsportanlage in Bomlitz, Landkreis Heidekreis
  • robuste Materialien,
  • vielfältige Nutzbarkeit und
  • ein breites Spektrum an Bewegungsangeboten.

Gleichzeitig erhöht sich allerdings auch das Sicherheits- und Sauberkeitsbedürfnis einiger Eltern, die bei vermeintlichen Fehlern auf schulischer Seite auch bereit sind, juristische Wege zu gehen. Hier können nur angepasste Lösungen in Verbindung mit proaktiver Kommunikation mit den Beteiligten zum Ziel führen.

Die auf dieser Seite benannten Themen beinhalten noch viel Forschung und Entwicklung. Von Seiten der Forschungseinrichtungen sind noch keine Projekte oder Studien veröffentlicht, die hier praktikable Handlungsorientierung anbieten. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der gesellschaftliche Wandel in naher Zukunft auch in der Gestaltung von Schulsportanlagen wiederfinden lässt.

In Skandinavien finden sich bereits Beispiele, das Sportanlagen auch “anders” aussehen können, neue Elemente enthalten oder klassiche Bestandteile neu anordnen. Hier sind Optik und Nutzen zu beobachten und in die weitere Entwicklung in Deutschland zu integrieren.

Sportstättenplanung Büro Hoppe
Dipl.-Ing. Lüder Hoppe
Lüder Hoppe, Sportstättenplaner

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