Sportstätten im demografischen Wandel:
was bringt die Zukunft?

Der Fußballplatz als Zentrum des dörflichen Sportlebens ist ein Auslaufmodell hieß es unlängst auf einer Fachtagung für Sportplatzbau.
Einig sind sich die Experten darüber, dass der gesellschaftliche Wandel, angetrieben von den Verschiebungen in der Altersstruktur, vor den Sportstätten nicht Halt machen wird. Der Sport als Freizeitbeschäftigung wird bei Jugendlichen spürbar anders ausgeübt als noch vor wenigen Jahren. Während der Sport bei den 5-10jährigen derzeit einen Boom erlebt, klagen erfahrene Übungsleiter über ein Nachlassen von Einsatz und Disziplin bei den Jugendlichen, Leistungsdruck wird immer häufiger vermieden. Doch der Stellenwert des Sports erlebt Veränderungen in allen Generationen: während Arbeitszeiten sukzessive verlängert werden, und das Berufsleben stetig an Härte zunimmt, verliert der Sport seinen Stellenwert. Gleichzeitig erscheint ein ganz neues Klientel in den Sportvereinen.

Nie zuvor waren "die Alten“ so jung wie heute, nie zuvor war deren Anteil an der Gesellschaft so hoch wie jetzt, Tendenz steigend. Die von den Demographen seit langem vorhergesagte Veränderung in der Alterszusammensetzung beginnt zu greifen, mannigfaltige Veränderungen von der Gesundheitsreform bis zur Rentenreform durchziehen das alltägliche Leben. Sportvereine, die sich passiv dem Wandel aussetzen, werden Mitglieder verlieren und die Eingangs zitierte These bestätigen.

Doch jeder Wandel ist auch ein Neubeginn, mit dem Zerfall alter Strukturen geht immer auch der Aufbau neuer Strukturen einher. Sportvereine, die in der Krise auch eine Chance sehen, werden zum gesellschaftlichen Mittelpunkt ganzer Gemeinden. Um diese Potentiale zu offenbaren ist es notwendig, bestehende Trends zu analysieren und mit der demographischen Entwicklung in Einklang zu bringen. Betrachten wir die in den letzten Jahren erfolgreichen Trendsportarten, so finden wir in Gegensatz zum Jugendkult der 80er Jahre die ersten Zeichen einer Trendumkehr: Die folgenden Trendsportarten wurden von der Sportwissenschaft in den letzten Jahrzehnten beobachtet:

Sportarten, die über mehrere Generationen hinweg ausgeübt werden können sind stark im Kommen. Gleichzeitig findet aber auch die Beschleunigung von Trendwechseln statt. Während Trends früher noch mehrere Jahre anhielten, kommt es gegenwärtig zu immer kürzer anhaltenden Trendsportarten und einem stetigen Trendwechsel. Bei genauer Betrachtung ist jedoch eine wichtige Regel auszumachen, die gerade für die Gestaltung von Sportstätten große Bedeutung hat: Je älter die Menschen sind die einem Trend folgen, desto länger wird dieser Trend anhalten. So ist das in den 90er Jahren populäre Bungeejumping definitiv der Generation der Heranwachsenden und jungen Erwachsenen zuzuordnen, heute hat Bungee weder in den Medien, noch in der Freizeitgestaltung eine Bedeutung. Ganz anders der Golfsport, hier ist das Klientel deutlich älter, Trendforscher gehen davon aus, dass Golf noch weiter zunimmt, möglicherweise sogar zum Volkssport avanciert. Während die Trends der Jugend einander immer schneller ablösen, sind bei der Generation 60+ stetige Entwicklungen zu erwarten. Moderne Sportanlagen werden sich diesem Spagat der Anforderungen stellen.

Wie sieht die Sportstätte der Zukunft aus?

Die Trendanalyse ermöglicht klare Aussagen in Bezug auf bevorstehende Trends. Diese werden in ihrer Ausübung zeitlich flexibel sein, ein Gruppenerlebnis ohne oder mit selbst dosierbarem Leistungsdruck ermöglichen und geringe Verletzungsgefahr beinhalten.
Sportstätten des 21. Jahrhunderts richten sich an alle Generationen, bieten nicht nur den 5-20jährigen ein Freizeitangebot, sondern haben auch für die so genannten "Best-Agers“ einen Aufforderungscharakter, im Idealfall kann eine Familie von den Enkelkindern bis zu den Großeltern hier gleichzeitig Sport, Freizeit und Gemeinsamkeit erleben.

Welche Ausstattung benötigen diese neuartigen Sportplätze?

Der Fußballplatz wandelt sich zu einer multifunktionalen Sportanlage. Der oft stiefmütterlich behandelte Spielbereich für die Kleinsten wird aufgewertet. Er liegt in Sichtweite von Ausschank und Sitzgelegenheiten. Für Jugendliche und ihre immer schnelllebigeren Trends stehen mindestens 2 Flächen zur Verfügung: ein Sandfeld für die Gruppe der Beach-Sportarten sowie ein asphaltiertes Kleinspielfeld. Hier können neben den Skate- und Inlinersportarten auch Ballspiele wie Basketball und Beach-Soccer die Fläche erobern. Das Großspielfeld für den Fußball wird weiterhin ein wichtiger Bereich der Sportstätte sein. Hier werden jedoch neue Anforderungen in Richtung Mehrfachnutzung gestellt werden – ist es denkbar auf dem Fußballplatz eine Driving-Range für Golfspieler einzurichten? Sicherlich besteht noch ein hoher Bedarf, solche Ideen abzustimmen und gemeinsame Nutzungen zu entwickeln.

Umbau: mehr Sport auf gleicher Fläche
Neben diesen wettkampfbetonten Sportarten ist gegenwärtig ein wachsendes Interesse an gemeinschaftsbetonten Sporterlebnissen zu beobachten. Sportarten wie Nordic Walking und Boule (Pétanque) haben derzeit großen Zulauf. Dies hat sicherlich eine Vielzahl von Ursachen, bei denen die Aspekte Gesundheit und Gemeinschaftserlebnis wichtige Rollen übernehmen. Die klassischen Anlagen der Leichathleten (100-400m Laufbahn, Sprunggrube) werden weiterhin gepflegt, hier ist jedoch die Ergänzung mit Angeboten anzudenken, die körperlich noch verträglicher sind (z. B.: Finnbahn). Sportvereine die heute die Zeichen der Zeit erkennen, werden sich im Gesellschaftlichen Wandel nicht nur behaupten, sondern sich zu wichtigen Konstanten im dörflichen Leben entwickeln.


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