Bericht: Dialog im Dunkeln, Hamburg
Barrierefreies Bauen ist auf für Landschaftsarchitekten ein vermeintlicher Standard. Die Einhaltung des einschlägigen Regelwerks garantiert jedoch keine gelungene Umsetzung dieses Aspekts der Planung. Echte Barrierefreiheit erfordert viel Einfühlungsvermögen für die Lebenswelt behinderter Menschen.
Die Hamburger Erlebniswelt “Dialog im Dunkeln” ermöglicht es, 90 Minuten Blindheit zu erfahren. Mit weit aufgerissenen Augen ins Dunkel zu starren, während die Netzhaut die Abwesenheit eindringender Photonen mit eigenartigen Erscheinungen kompensiert, ist tatsächlich eine Reise nach Hamburg wert. In kleinen, geführten Gruppen werden Besucher mit verschiedenen Alltagsszenen aus der Welt blinder Menschen vertraut gemacht. Garten, Marktplatz, Straße – aber auch eine Bootsfahrt sowie ein “Kneipenbesuch” werden aufwändig und mit vielfältigen Klängen, Gerüchen und ertastbaren Objekten erlebbar gemacht.
Mit dem Blindenstock in der Hand eröffnet sich so eine ganz neue Welt, voller vertrauter und dennoch seltsam fremder Dinge. Diese Erfahrung im Einzelnen zu beschreiben ist kaum möglich, letztlich habe ich aber lange nicht mehr erlebt, wie schnell 90 Minuten vergehen können, habe selten in so kurzer Zeit so viel erlebt und dabei ganz nebenher ein ganz anderes Verständnis für barrierefreies Bauen aus Sicht sehbehinderter Menschen erfahren. Eingentlich müsste es dafür auch Fortbildungspunkte bei der Architektenkammer geben…

Keine Kommentare »
Noch keine Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar