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„Die Autoindustrie“ und „der Klimawandel“ aus Sicht eines Landschaftsarchitekten

Blogged in Allgemeines by Lüder Hoppe Donnerstag November 27, 2008

Heute missbrauche ich meinen Sportplatz- und Baumblog um einfach mal meine Meinung loszuwerden:

Mein kleiner Kombi kommt so langsam in die Jahre, und ich muss mir wohl oder übel Gedanken darüber machen, ihn durch ein anderes Fahrzeug zu ersetzen. Gut, er hat ohne Probleme ’ne neue TÜV Plakette bekommen, aber es deutet sich an, dass demnächst auch Teile ersetzt werden, die nicht unbedingt in die Abteilung „Verschleiß“ gehören.

Langer Rede kurze Sinn: ich habe einfach mal geschaut, ob meiner Nachfrage auch ein Angebot gegenübersteht. Ich hätte gerne ein effizientes Fahrzeug. Niedrige Anschaffungskosten, niedriger Verbrauch. Meistens fahre ich alleine, aber 2 Personen sollten schon Platz darin haben, wenn dann noch ein paar Kinder dazukommen, dann muss dass auch noch gehen. Auf der anderen Seite sollte dieser Alltagsgegenstand nicht an der potentiellen Ferienreise mit Kind und Kegel ausgerichtet werden, sondern am täglichen Bedarf. Gerne darf das Fahrzeug dann auch eine gewisse Sportlichkeit und Dynamik vermitteln, ohne dabei aber aufringlich zu wirken.

Um es kurz zu machen: mein neues Auto wird gegenwärtig nicht hergestellt. Was auf Webseiten und Prospekten wohlfeil geboten wird, sind aus meiner Sicht Autos einer Ära, die längst beendet ist, nur dass dieser Fakt von der Mehrheit der Menschen ignoriert wird.  Unter dem Druck steigender Ölpreise baut „die Industrie“ nach wie vor schwerfällige Schlachtschiffe, überfrachtet mit einer Vielzahl von „Features“, die zwar jeweils für sich ein „nice to have“ darstellen, für mich in der Summe aber ein „no go“ erwirken. Seit mehr als 20 Jahren ist es allgemein bekannt, und in der Fachwelt nicht mehr hinterfragt, dass die Ölvorkommen endlich sind. Seit ungefähr 10 Jahren ist die Unausweichlichkeit der Klimaveränderungen nur noch von den Medien und einigen Einzelinteressenten hinterfragt worden. Allgemein wird angenommen, dass alle großen Autohersteller bereits ökonomisch sinnvolle Fahrzeuge in der Schublade haben, nur was davon hat die Autohäuser erreicht?

Einige Detailverbesserungen von Konzepten, die strukturell so falsch sind, dass es sinnlos ist, daran etwas zu verbessern. Was bringt es denn der Gesellschaft, den Spritverbrauch von 8 Liter / 100km auf 7 Liter/100km  zu senken? OK das sind 12,5% weniger, aber im Vergleich zu dem was möglich wäre, zeichnet sich jetzt schon ab, dass „wir Konsumenten“ mit Detailverbesserungen nach der Salamitaktik abgespeist werden: jedes Jahr ein neues Modell, jedes Jahr ein klein wenig besser. Will ich aber nicht. Ich möchte mir *jetzt* ein Fahrzeug kaufen, von dem ich mir erwarten kann, dass ich auch in 10 Jahren noch damit glücklich sein werde.

Und – Wunder über Wunder – ich habe es nun doch noch gefunden. Gut, es wird noch nicht in Serie produziert, aber immerhin gibt es schon einen Prototypen. Der sieht aus wie ein Sportwagen, ist wie ein Sportwagen gebaut, fährt sich vermutlich auch – von den Beschleunigungswerten mal abgesehen – so, und soll 15 Tsd € kosten. Tatsächlich hat sich dort eine Entwicklergruppe zusammengefunden, die ein gleichermaßen attraktives wie auch ökonomisch sinnvolles Auto entwickelt. Klar, das ist kein Auto, mit dem 5 Personen entspannt durch Europa reisen wollen. Aber es wäre ein Auto, mit dem ich 98% meiner Fahrten gerne erledigen würde. Aber vor 2010 wird das nichts. Wenn das Konzept nicht vorher aufgekauft und luposiert wird. Nein „Luposieren“ steht weder im Duden noch in der Wikipedia. Am Beispiel des Lupo 3L hat VW dargestellt, wie man eine gute Idee durch schlechtes Design, eine überzogene Preispolitik und nicht vorhandenes Marketing zum Staubfänger degradiert. Aber auch das sicherlich nicht ohne den Hintergedanken, damit eine geringe Nachfrage nach effizienten Autos zu belegen. Soll ich nun einen Link auf mein zukünftiges Auto hier einstellen? Oder wird dann die Nachfrage so groß werden, dass auch der Preis angezogen wird? Oder muss überhaupt die Nachfrage erst wachsen, damit der Bau sich rechnet? Oder wird die Firma ohnehin vorher „veschluckt“? Egal – es ist der Loremo.

Kommentare

  1. Das Problem was ich beim Auto und Landschaft sehe, ist der Biosprit. Das Auto trägt sicherlich seinen Teil zu Feinstaub und CO2 bei, aber wenn man auf die Biosprit Lösung setzt bekommen wir das Problem, dass die meisten Bauern auf Energiepflanzen wie Mais setzen statt auf Nahrungsmittel. Dieses Problem wird auch nicht durch weniger Verbrauchende Autos verhindert. Wenn wir derzeit die gesamte Fläche Deutschlands zur Biosprit produktion einsetzen können wir gerade einmal 60% des derzeitigen Benzinverbrauchs decken und haben dann nichts mehr um den Hunger zu stillen. Dass ist in meinen Augen das größere Problem. Hinzu kommen noch die Probleme durch Schädlinge, die sich an die Energiepflanzen angepasst haben, und die Artenvielfalt, die durch den Rückgang von der Pflanzenvielfalt bedroht ist.

    Trackback by Thomas 16. Dezember 2008 00:46

  2. Biosprit ist nicht DIE Lösung. Biosprit könnte möglicherweise einen Teil der Lösung darstellen, letztlich führt aber kein Weg daran vorbei, die ursächliche Problematik des Individualverkehrs zu diskutieren: es gibt zuviel Verkehr, der noch dazu extrem ineffizient abläuft. Ein Fahrzeuf, welches im Individualverkehr den Verbrauch einfach mal um 60-80% reduziert ist ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere Schritte bestehen aus alternativen Treibstoffen, „intelligenten“ Verkehrsleitsystemen und nicht zuletzt auch der Reduzierung von Verkehr.

    Um auf den „Biosprit“ zurückzukommen: das ganze Thema ist noch in den Kinderschuhen, die Berichterstattung in der Boulevardpresse hält keine Verbindung zur Realität und die Fachöffentlichkeit ist Vielfältig wie bei jedem Thema das „neu“ in die Debatte gerät. Ziemlich sinnlos sich in die Diskussion zu stürzen, die Zeit schreitet unaufhaltsam voran, und früher oder später wird kein Weg daran vorbeiführen, für ausgewählte Anwendungen Biosprit einzusetzen. Aber in dem Einem gebe ich Dir ganz klar Recht: Biosprit ist nicht das Allheilmittel, welches die Energieproblematik im Verkehr lösen kann.

    Trackback by Lüder Hoppe 16. Dezember 2008 01:14

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