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Osnabrücker Baumpflegetage 2007: Themenkomplex Bäume und Klimaänderung

Blogged in Allgemeines,Baumwelt by Lüder Hoppe Mittwoch September 5, 2007

Gerade zurückgekehrt von den Baumpflegetagen in Osnabrück gibt es viel zu berichten. Der erste Tag stand vorwiegend im Zeichen des Klimawandels. Einleitend erläuterte Prof. Dr. Mojib Latif (Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR),Ozeanzirkulation und Klimadynamik, Universität Kiel) den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Mittelung von Klimamodellen

Sachlich stellte er die Ergebnisse aktueller Modellrechnungen vor und erläuterte einige der Konsequenzen. Während in den Medien noch eine Diskussion über das „ob und warum“ geführt wird, herrscht innerhalb der wissenschaftlichen Welt zu dieser Frage Einigkeit: die Klimaänderung hat bereits begonnen, sie wird sich fortsetzen und ist allein in ihrer Stärke noch zu beeinflussen. Es wird in den kommenden Jahrzehnten:

  • längere Sommer mit langanhaltenden Trockenperioden geben (Verlängerung der maximalen Trockenperioden von 20 auf bis zu 30 Tage)
  • Niederschläge werden seltener, dafür jedoch sehr stark
  • Die Jahreszeit „Herbst“ wird sich drastisch verkürzen
  • Winter werden sehr mild, bis hin zur Frostfreiheit
  • Lokale Extremwetterereignisse (starke Gewitter, Tornados) werden zunehmen

Im Hinblick auf die Berichterstattung in den Medien sprach Prof. Dr. Latif klare Worte: Berichte, die eine Veränderung des Weltklimas Dementieren sind schlichtweg falsch: „Glauben Sie die nicht!.

Wer nun mit Blick auf die Heizkosten glaubt, er könne von der Klimaänderung auch profitieren, wurde im anschließenden Beitrag von Prof. Dr. Steffen Rust, Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Göttingen schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. In seinem Vortrag „Der Einfluss des Klimawandels auf die Baumphysiologie – Konsequenzen für die Gehölzverwendung“ zeigte er mit einer logischen Argumentationskette, dass wir drastische Veränderungen in unserer Umwelt nicht vermeiden können. Bereits heute hat sich die Vegetationsperiode verlängert. Blühzeitpunkte verschieben sich, die Fruchtbildung verschiebt sich ebenfalls. Betrachtet man nur die einzelne Pflanze, so zeigen sich die Konsequenzen dieser Entwicklung nicht. Auf Ebene der Ökologie sind die Folgen jedoch schwerwiegend: die Anpassung der Lebensphasen von Pflanzen und Tieren an das sich verändernde Klima verläuft nicht synchron. Dadurch gerät das Miteinander der Pflanzen- und Tierwelt „aus dem Takt“. Parasiten haben keine Fressfeinde mehr, Blüten werden nur noch unzureichend bestäubt, Fortpflanzungssystem (auch in der Tierwelt) brechen zusammen. Begleitet wird dies noch durch das Einwandern neuer Arten von Süden nach Norden. Während die Artenvielfalt steigt, sinkt der „Wirkungsgrad“ der Natur.

Aus meiner persönlichen Sicht schlummert hier eine gewaltige Gefahr, die in ihrer Bedeutung für unsere Gesellschaft noch lange nicht erkannt ist.

Nachfolgend erläuterte Rust die bereits jetzt mit Sicherheit erkennbaren Folgen:

Folgen des Klimawandels

Dieser Themenkomplex wurde nun durch die Arbeiten des Prof. Dr. Rolf Kehr von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK), Göttingen ergänzt. Kehr referierte über das Thema „Milde Winter und trockene Sommer -vermehrtes Auftreten von Krankheiten und Schädlingen?“ Und auch von Göttinger Seite gab keine guten Nachrichten zu vermelden: Es gibt eine Vielzahl von Parasiten, die sich von der Klimaerwärmung in unseren Breiten einen neuen Lebensraum erwarten können. Die hier heimische Pflanzen- und Tierwelt hat für diese Parasiten noch keine Gegenstrategien entwickelt, und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass viele Bäume, die klimatisch bereits gestresst sind, so ein leichtes Fressen werden.

Zusammenfassend ist nach diesen drei Vorträgen eines klar: unsere Gesellschaft steht vor zwei Aufgaben von vitaler Bedeutung:

1. Reduzierung der Ursachen für die Klimaänderung und

2. Entwickeln von Strategien für die Minderung der Folgen der Klimaänderung.

Wenn diese Aufgaben nicht gelöst werden, bereiten wir nachfolgenden Generationen Probleme, neben denen der Ersatz von fossilen Brennstoffen durch nachwachsende Ressourcen geradezu lächerlich erscheint.

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